Monat: Mai 2017

„Unter Tage“ im Siegerland – 2500 Jahre Erzbergbau-Geschichte

Unter Tage im Wodanstolln in Neunkirchen-Salchendorf

 

Es stand schon länger auf meinem Plan, mal „Unter Tage“ im Siegerland zu fotografieren, am 22. April 2017 hat es geklappt. Das Problem dabei war, es gibt nur noch wenige begehbare Bergwerke, alle sind stillgelegt, das Letzte hat 1965 den Abbau beendet. Ca. 2500 Jahre Erz-Bergbau im Siegerland wurden 1965 beendet. Der Bergbau hat die Region bis heute geprägt, ein Stahlwerk ist noch in Betrieb, die einst vielen Hütten im Tal der Sieg sind Geschichte. Erste Spuren der Eisenverhüttung reichen bis in die frühe Eisenzeit um das Jahr 600 v. Chr. zurück.

Der Heimatverein Salchendorf betreibt seit 1997 das Schaubergwerk Wodanstolln. Dazu hat der Verein den Stollen aufbereitet und zugänglich gemacht. Man kann ca. 400 Meter in den Berg hinein und kann das beschwerliche Leben unter Tage kennen lernen. Das war definitiv außerhalb der Komfort-Zone!

Im Wodanstolln hatten wir mit einer kleinen Gruppe von Hobbyfotografen die Möglichkeit uns auszutoben. Aufgrund der Lichtverhältnisse sind dort nur Langzeitbelichtungen möglich, und wie der Name schon sagt, braucht das viel Zeit. Die hat man nicht bei einer normalen Führung in einem Schaubergwerk. Der Heimatverein Salchendorf hatte erst kürzlich damit geworben, den Stollen extra für Fotogruppen zu öffnen. Diese Möglichkeit haben wir (die Fotogemeinschaft Siegerland) gerne genutzt.

 Ausgestattet mit Kameras, Stativen, Taschenlampen und Schutzhelmen sind wir dann mit 10 Leuten durch den sehr engen Stollen in den Berg.

Wie ich selbst schnell feststellen musste, es ist dort enger, als ich dachte. Der Schutzhelm war eine sinnvolle Einrichtung. Mit knapp 1,90m Länge bin ich nicht gerade „Unter Tage“-tauglich. Ohne Helm wäre das übel ausgegangen. Ich hab nicht mitgezählt, wie oft ich oben angeeckt bin.

Die tiefliegende Decke war aber nicht das einzige Problem, auch unten auf dem Boden musste man gut aufpassen. Das oft beworbene Felsquellwasser bahnt sich auch hier seinen Weg durch den Stollen. Die Abflussrinne ist sehr tief, wie eine Foto-Kollegin dann doch unbedingt mal ausprobieren musste. An den Stollenwänden bot sich ein interessantes Farbspiel durch die im Berg noch vorhandenen Mineralien. Da der Stollen von 1924-1974 auch als Trinkwasserversorgung für die Gemeinde Salchendorf genutzt wurde, haben sich an den Wänden bei unterschiedlichem Wasserstand die im Berg vorhandenen Mineralien abgelagert.Das führt zu tollen Strukturen an den Wänden mit unterschiedlicher Farbgebung.

Das Stollensystem ist eigentlich noch viel größer, aber nicht alle Bereiche sind begehbar. Hier ein Blick in einen alten Stollenbereich. Das Stollensystem vom Wodanstolln wurde schon ab 1732 angelegt, so manche Stützbalken konnten dem Bergdruck über die Jahre nicht mehr stand halten. So kommt es im Siegerland auch immer wieder zu Tagesbrüchen. Das Bekannteste ist das „Siegener Loch

An einigen Stellen hat der Heimatverein Salchendorf die Werkzeuge des Erzbergbau ausgestellt damit man einen Einblick bekommt, wie das Erz (vorwiegend Braun- und Spateisenstein) aus dem Berg gebrochen wurde.

In der Neuzeit bis zur Stilllegung 1920 wurde viel mit Druckluft gearbeitet, daher auch dieser seltsame Behälter unter Tage

(c) Claudia Schmidt – Werkzeuge unter Tage

Verletzungen sind bei der schweren Arbeit im Bergbau vorprogrammiert. Daher gab es auch einen Sanitätsraum.
Ein Glücksfall für die Zeit des 2. Weltkrieges: Die Stollen im Siegerland dienten zu dieser Zeit häufig auch als Schutzraum vor den zahlreichen Luftangriffen der Alliierten. Ziel der Bombenangriffe war die Stahlindustrie im Siegerland, welche für Hitler’s Kriegsmaschinerie im Nazi-Deutschland sehr wichtig war.
Nach Erzählungen des Heimatvereins wurden in dem „Unter-Tage-Sanitätsraum“ während der Luftangriffe zwei Kinder zur Welt gebracht.

Nachfolgend noch ein paar Detail-Aufnahmen aus dem Sanitätsraum unter Tage von Claudia Schmitt, Danke, das ich sie hier mit einfügen durfte.

(c) Claudia Schmitt

(c) Claudia Schmitt

(c) Claudia Schmitt

Für weitere Informationen zu dem Schaubergwerk „Wodanstolln“ in Neunkirchen-Salchendorf verweise ich auf die Internet-Seite des Heimatverein-Salchendorf.
Ich bedanke mich an der Stelle ganz herzlich bei dem Heimatverein für die tolle Zusammenarbeit und die interessanten Einblicke in den Erzbergbau im Siegerland, insbesondere bei Marcel Immel, der unsere kleine Fotogruppe an diesem Tag unter Tage begleitet hat, auch mit wertvollen Tipps für die Fotografie unter Tage.

Am 20.5.2017 feiert der Heimatverein Salchendorf e.V. das 20-jährige Jubiläum des Besucherbergwerks Wodanstolln, mehr Informationen dazu finden Sie hier:

http://www.heimatverein-salchendorf.de/Besucherbergwerk/20-Jahre-Wodanstolln/

 

Glück Auf!